Würden Sie von sich selbst ein Auto kaufen?

„Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen?“ Im US-Wahlkampf von 1960 stand dieser Satz unter einem wenig schmeichelhaften Bild des republikanischen Kandidaten Richard Nixon. So stellten die Demokraten die Glaubwürdigkeit des Gegenkandidaten buchstäblich in Frage – mit Erfolg. Und auch heute gilt: Wenn Sie ein bestimmtes Verhalten bei anderen bewirken wollen, müssen Sie Vertrauen wecken.

Egal, ob sich Ihr Unternehmen an seine Kunden oder Mitarbeiter wendet: Glaubwürdigkeit entsteht, wenn Aussagen stabil bleiben und Zusagen eingehalten werden. Als Führungskraft sind Sie hier besonders gefordert: Sie müssen Verlässlichkeit herstellen. Sie treffen also notwendige Entscheidungen, erläutern sie, machen notwendige Regelungen bekannt und stellen klar, warum es wichtig ist, sie einzuhalten. Dieser „Ton von oben“ ist ein zentrales Element von Compliance.

Einsparungen beim Personal? Nachvollziehbar, wenn alle Ebenen betroffen sind. Preiserhöhungen wegen Kostensteigerungen? Glaubwürdig, wenn die Gewinnmarge sichtbar unter Druck ist. Fehler im Produkt? Akzeptabel, wenn sie angegangen und abgestellt werden. „Diesel-Gate“ war insofern nahezu ein Paradebeispiel, wie Sie es nicht machen sollten.

Selbstcheck Glaubwürdigkeit

Die eigene Glaubwürdigkeit können Sie mit den vier Seiten einer Nachricht überprüfen. Eine Aussage wird demnach nicht nur rein sachlich verstanden, sondern es wird auch ein Appell, eine Selbstoffenbarung und die Beziehung zwischen Sender und Empfänger wahrgenommen. Wichtig ist, dass Sie die Sicht der Empfänger verstehen. Fakten mögen von ihnen gehört bzw. gelesen werden, aber wie werden sie den Appell verstehen? Wie könnten sie die Beziehung empfinden? Und wie kommt die Selbstoffenbarung bei ihnen an?

Viele Managementsysteme beinhalten neben Richtlinien auch regelmäßige Hinweise, Schulungen und Überprüfungen. Vertrauen bilden Sie dann, wenn Sie sich als Führungskraft daran aktiv beteiligen. Wenn jedoch Ihre mitschwingende Botschaft nicht „Daran halten wir uns“ lautet, sondern „Haltet Euch gefälligst dran“, erreichen Sie das Gegenteil.

Der Vorstand, der strikte Regeln hinsichtlich der Annahme von Vorteilen vorgibt, sich aber sichtlich gerne auf teure Golfturniere einladen lässt, findet ungewollt Nachahmer. Die Geschäftsführerin, die auf Einhaltung der Arbeitszeitgrenzen besteht, aber regelmäßig Telefonkonferenzen um 19 Uhr ansetzt, untergräbt die eigenen Vorgaben. Der IT-Leiter, der Zugriffe auf externe Webseiten für die Nutzer einschränkt, selbst aber im Darknet surft, setzt mehr als nur seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel.

Fazit: Wenn Sie Regeln ernst meinen, wenden Sie sie selbst an. Wenn Sie eine Regel für unwirksam und sinnlos erachten, ändern Sie sie, ohne Ausnahme. Wenn Sie Menschen bewegen wollen, behandeln Sie sie auf Augenhöhe. Und wenn Sie wirklich Gebrauchtwagen verkaufen: Bieten Sie keinen Schrott an, sondern Autos, die Sie gerne selbst kaufen würden.