Reden wie Steve Jobs: einmal-ich!

Just one more thing… Legendär, wie der frühere Apple-Chef seine Reden beendete, um sie eben nicht zu beenden. Eine Überraschung ans Ende zu stellen, sorgt für Spannung und ist gute Bühnenpraxis. Wenn auch nicht ganz neu: schon Peter Falk hatte den Satz als Inspektor Columbo stilbildend eingesetzt.

Schon haben Sie also eine neue Methode, um die eigene Bühnenpräsenz zu verbessern. Besser gesagt zwei, wenn Sie sich auch noch in legere schwarze Klamotten werfen. Super, oder?

Nein. Der Auftritt passte zu Steve Jobs als glaubwürdigem Vertreter einer Marke mit dem Image des coolen und innovativen Weltkonzerns. Wenn, sagen wir mal, der Vertriebschef eines mittelständischen Maschinenbauers damit die neue Rollenbahn zur Abfüllanlage KX-73452/17 ankündigt (automatisch höhenreguliert!), geht das mit einiger Sicherheit in die Hose.

Denn selbst wenn es einen Redner noch nie erlebt hat, merkt jedes Publikum recht schnell, ob er echt ist oder sich verstellt. Und so sehr Sie andere um deren Auftreten, Wortgewandtheit und Ausstrahlung beneiden mögen: gerade auf der Bühne sollten Sie sich selbst treu bleiben.

Zum Beispiel die Kleidung. Wer seit Jahren gerne Krawatten trägt, darf sie auch bei einem Vortrag vor Internetgründern anbehalten. Genauso wenig muss der Hacker seine Demo vor dem Juristenverband im Anzug machen. Oder die Sprache: ob der Redner auf Anglizismen oder Fremdwörter verzichtet oder sie einsetzt, kommt auf seine Herkunft und sein Thema an – beides mag passen.

Ob Ihr Vortrag ankommt, entscheidet seine Verständlichkeit. Drei Aspekte sind hier wichtig:

  1. Die Akustik: sprechen Sie ohne technische Verstärkung? Dann müssen Sie durchgängig lauter sprechen. Sie könnten sich beispielsweise Regieanweisungen in Ihre Notizen setzen, um sich selbst daran zu erinnern. Wenn Sie ein Mikro in der Hand halten, achten Sie darauf, es immer nahe am Mund zu halten. Ein Krawattenmikro oder Headset hat den Vorteil, dass der Abstand gleich bleibt und Sie beide Hände frei haben. Die stecken dann allerdings auch mal gerne in den Hosentaschen.

  2. Die Aussprache: deutliche Betonung, das Sprechen von Satzzeichen sowie hörbare Pausen zwischen den Wörtern helfen bereits ungemein. Dagegen müssen Sie als Dialektsprecher sich nicht auf Hochdeutsch die Zunge abbrechen, wenn das Publikum Sie auch so versteht.

  3. Die Eingängigkeit der Argumentation. Hier gilt: Zahlen und Fakten (mit Angabe der Datenbasis) erhöhen die Glaubwürdigkeit und Plausibilität, genau wie Analogien oder Vorführungen. Und: Ohne nachvollziehbare Begründungen bleibt ein Argument schwach. Gleiches gilt für Aussagen mit vielen Konjunktiven oder Eingrenzungen bis zur Unwesentlichkeit.

Damit Ihr Vortrag gut aufgenommen werden kann, sollten Sie sich auf jeden Fall Ihre Redezeit realistisch einteilen. Ihre Zuhörer können zwar genau so schnell zuhören, wie Sie sprechen, aber die Zeit, die Sie zur Vorbereitung hatten, fehlt dem Publikum. Falls Sie Folien mit Text, Stichpunkten oder Diagrammen verwenden, planen Sie daher etwa 2 bis 3 Minuten Redezeit je Folie ein. Sprechen Sie ohne Folien oder verwenden eine rein bildhafte Visualisierung, sollten Sie den Vortrag vorab zur Probe sprechen und dabei die Zeit nehmen. Ihr Publikum wird Ihnen gut folgen können, wenn Sie sich auf die wesentlichen Aussagen und Erläuterungen beschränken, die bequem in Ihre Redezeit passen.

Optimal ist, wenn Sie den Vortrag ohne Blick auf die Folien oder in ein Manuskript halten können. Leider fehlt zum Üben häufig die Zeit, und ganz ohne Nervosität geht auch kaum jemand auf die Bühne. Tipp: formulieren Sie die drei bis fünf wichtigsten Aussagen Ihres Vortrags und schreiben Sie diese auf. Lernen Sie diese Sätze auswendig. Sprechen Sie sie mehrmals laut, damit sie wirklich sitzen. Das macht Sie sicherer und unabhängiger von Notizen oder Folien.

Wenn Sie so auftreten, sind Sie bei sich und damit unverwechselbar, eben einmal-ich. Und damit hätten Sie ganz nebenbei doch ein bisschen was von Steve Jobs.