Fluch der Akustik

Diese verfluchte Akustik! Sie sind der dritte Redner auf dem Kongress. Bereits Ihre beiden Vorredner hatten erhebliche Probleme mit der gestörten Tontechnik. Da Sie in der ersten Reihe sitzen, können Sie selbst zwar noch alles hören, aber weiter hinten ist es nahezu unmöglich. Entsprechend verärgert ist das Publikum. Die ersten Teilnehmer haben den Saal bereits verlassen. Sie haben 40 Minuten Redezeit, und schon jetzt ist der Zeitplan um 10 Minuten überschritten. Was können Sie tun?

Punkt 1: Bleiben Sie ruhig und machen Sie sich keine Gedanken um die Zeit. Sie haben klugerweise einen Zeitpuffer in Ihren Vortrag eingebaut, ebenso der Veranstalter in den weiteren Ablauf. Also investieren Sie 5 Minuten in die Änderung der Situation und bitten Sie die Anwesenden um Geduld. Es wäre sonst schade um Ihren Vortrag: bei schlechter Tonqualität wird Ihr Publikum schnell genervt und unruhig sein. Die meisten Menschen hören dann weg anstatt zu.

Punkt 2: Was funktioniert nicht? Haben die Vorredner das gleiche Mikro verwendet (Stehpultmikro, Handmikro, Krawattenmikro, Headset)? Dann schauen Sie doch, ob sich das Problem mit einem anderen Mikro beheben lässt; meistens sind schwache Batterien oder Störungen in Funksystemen der Grund für schlechte Tonqualität. Nehmen Sie lieber den Verlust an Bequemlichkeit für sich selbst in Kauf und halten ein Mikro mit Kabel in der Hand, anstatt die Zuhörer akustisch zu quälen.

Punkt 3: Das Problem sitzt irgendwo in der Anlage (Kabel, Verstärker, Lautsprecher)? Lassen Sie die Technik und schauen Sie, was Sie ohne Verstärkung erreichen können. Zählen Sie mal die Zuhörer: Ab 30 Personen geht es häufig nicht mehr ohne Mikrofon, aber bis dahin könnten Sie die Anwesenden bitten, nach vorne zu kommen oder die Raumordnung ändern (Stuhlkreis statt Theaterbestuhlung). Wer eine laute Stimme hat und eine vorteilhafte räumliche Akustik auf seiner Seite, traut sich vielleicht auch mehr zu. Es empfiehlt sich in diesem Fall, mehr Sprechpausen zu machen und mehr Rückfragen in die Zuhörerschaft zu stellen.

Letzter Punkt: es hilft alles nicht. Sie haben 120 Teilnehmer, ohne Verstärkung geht es nicht, die Anlage ist ausgefallen. Ihre letzten Optionen: es gibt die Möglichkeit, die Gruppe zu teilen und Vorträge parallel ohne Technik zu halten. Oder in andere Räume auszuweichen. Eine Pause zu machen und vom nächsten Musikhandel eine Leihanlage zu organisieren.

Wenn aber tatsächlich nichts von alledem möglich ist, bleibt Ihnen immer noch eines: Sie bitten das Publikum um Verständnis und verzichten auf den Vortrag. Stattdessen könnten Sie den Teilnehmern Zugang zu den Unterlagen geben oder eine Videoaufzeichnung bzw. ein Webinar anbieten (eventuell haben Sie dazu bereits Material aus früheren Vorträgen).

Auf diese Weise machen Sie alles richtig: systematisch die Optionen prüfen, das Publikum einbinden und selbst für den schlechtesten Fall eine Lösung parat haben. Wer auf diese Weise ins Handeln kommt, gibt dem eigenen Ärger keine Chance und wird als souverän und professionell erlebt.

Perfekt wird Ihr Umgang mit einem solchen Szenario, wenn Sie anschließend ein Gespräch mit den Veranstaltern und den Verantwortlichen für die Technik führen. Zum einen, weil Fehler immer passieren können und es sinnvoll ist, der Verbesserung eine Chance zu geben. Zum anderen, weil Sie sich auch entscheiden sollten, ob und wie sie in Zukunft zusammenarbeiten wollen. Unter guten Partnern kann aus einer solchen Situation ein wirksames Notfallkonzept entstehen. Dann verlieren technische Störungen der Akustik ihren Schrecken – mit Sicherheit!